Nichts für schwache Nerven – Die Mendelbahn

Schon aus großer Entfernung vermittelt der fast schnurgerade die Mendel hinaufführende Streckenverlauf der Mendelbahn ein flaues Gefühl im Bauch.

Allein beim Anblick dieser extrem steilen Steigung erhöht sich der Adrenalinausstoß und der Herzschlag beschleunigt in den roten Drehzahlbereich.

Zwischen 57% und 64% Steigung bzw. Gefälle auf 2.370 Metern bei einem Höhenunterschied von sage und schreibe 850 Metern !
Damit ist die 2009 modernisierte Mendelbahn eine der steilsten und längsten Standseilbahnen Europas.

Talstation Mendelbahn in St.Anton-Kaltern in Südtirol

Schmuckstück - Die Talstation der Mendelbahn in St.Anton-Kaltern, Foto © Memorino - http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de

Sie verbindet St.Anton, einen Ortsteil von Kaltern mit dem Mendelpass bzw. Ruffre (1.364 m).
Durch diese Verkehrsanbindung wird zum einen die Mendelstraße entlastet, denn man kann das Auto in Kaltern stehen lassen.

Zum anderen bietet die Mendelbahn eine wesentliche Zeitersparnis (ca.2 Stunden) für ausgedehnte Wanderungen auf dem Mendelkamm, denn man muß die Strecke Kaltern – Mendel nicht zu Fuß zurücklegen.

Blick auf die Serpentinen der Mendelpass-Strasse und auf die extrem steile Mendelbahnstrecke

Extrem steil - Die Mendelbahnstrecke mit Bergstation, im Vordergrund die Mendelpass-Strasse

Deshalb wird die Mendelbahn gern von Südtirolurlaubern angenommen, denn in 12 Minuten ist man auf der Mendel und kann von hier aus zum Monte Roen weiterwandern oder zur Lavinaspitze.
Und in die andere Richtung gehts zum Penegal bzw. Gantkofel.
Aber auch in Ruffre, auf dem Mendelpass, gibts immer was zu sehen.

Während der Fahrt mit der Mendelbahn bieten sich herrliche Aussichten auf Kaltern, ins Etschtal, auf Bozen und die Dolomiten.
Und vom Mendelkamm selbst sind ebenfalls die schönsten Panoramen sichtbar und machen Lust auf die Digitalkamera.

Die Ur-Mendelbahn war, so wird berichtet, die erste elektrisch betriebene Standseilbahn in Europa und im Eröffnungsjahr 1903 ein Superlativ der damals möglichen Technik.

Zuerst aus touristischer Sicht geplant und gebaut, wurde die Mendelbahn später auch für militärische Zwecke genutzt.
Umso schöner, dass sie die letzten Jahrzehnte ausschließlich wieder den Einheimischen und Südtirolfreunden für friedliche Absichten zur Verfügung steht.

Bei bis zu 64% Gefälle muß sich der Fahrgast auf die Technik verlassen können. Nicht auszudenken, wenn mal das Seil reißen würde und die Bahn keine Bremsen hätte, man letztlich einen Anker werfen müßte.

Die neue Panoramkabine der Mendelbahn in voller Fahrt

Hübsche Mendelbahn, Foto © Hubert Berberich (HubiB) - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Deshalb wird die Mendelbahn in regelmäßigen Abständen gewartet und überprüft.
Bei geringsten Anzeichen von Störungen und Unregelmäßigkeiten wird der Betrieb sofort eingestellt.

Zum Beispiel blieb die Mendelbahn im Frühjahr 2009 für einige Monate außer Betrieb, um verschiedene Wartungsarbeiten durchzuführen und neue Panorama-Kabinen für hervorragende Rundumsicht auf die 1.000 mm breite Spur zu stellen.

Zudem wurde auf halber Höhe eine Zwischenstation eröffnet, so dass auch die Benutzer des Kalterer Höhenweges die Bahn benutzen können.

Die Fahrt an sich führt durch Wald bzw. Felsgelände.
Man durchfährt 5 Kurven, 2 Tunnel und überquert 2 Viadukte – somit eine kurzweilige Angelegenheit und auch abwechslungsreich für Kinder.

Es empfiehlt sich, die Abfahrtszeiten bzw. Ankunftszeiten, sowie die erste und letzte Fahrt vor Ort zu erfragen, da sich der Fahrplan ab Jahresmitte geringfügig ändern kann.

Die Fahrpreise betragen zur Zeit (2011) 5,00 € für eine einfache Fahrt, 7,50 € für Hin-und Rückfahrt, sowie 4,00 € für ein mitgeführtes Fahrrad.

Zurück zur Einleitung:
Wieso ist die Mendelbahn nichts für schwache Nerven?

Nun, ich selbst leide etwas unter Höhenangst.
Bei unseren Familienurlauben in Südtirol bin ich in dieses Gefährt niemals eingestiegen. Allein der Blick von der Bergstation hinunter hat mir schon den Schweiß auf die kahle Stirn getrieben.

So bin ich von Kaltern aus die Mendel hochgelaufen und auch wieder hinunter (was mir vom Familienrest hier nicht wiederzugebende Kommentare eintrug), während der überwiegende Teil meiner Familie die bequeme Passage mit der Mendelbahn genoß.

Das Prädikat Angsthase nehme ich gerne in Kauf !
Basta !

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