Welche Schlangen gibt es in Südtirol ?

Wie gefährlich sind die Südtiroler Schlangen ?

Was tun bei einem Schlangenbiss ?

Wie bereits im ersten Teil meines Artikels über Südtiroler Schlangen ausgeführt, ist es hin und wieder möglich, bei diversen Wanderungen in den Weinbergen, oder bei Besichtigungen der Aussenanlagen von Schlössern und Burgruinen, auf Schlangen zu treffen.

Hier nun wie angekündigt der interessante Artikel von Wolfgang Dibiasi aus dem schönen Tramin in Südtirol:


Einleitung – Südtirols Schlangen

In Südtirol sind 8 Arten von Schlangen heimisch. 5 davon zählen zu den Nattern und sind ungiftig. 3 Arten gehören zur Familie der Vipern und sind giftig. Schlangen findet man in Südtirol überall mit Ausnahme sehr hochgelegener Gebiete wie beispielsweise dem Ortler. Dort wo Vegetation ist, findet man fast sicher auch Schlangen. Die Art, welche in die am höchst gelegenen Gebiete vordringt, ist die Kreuzotter. Am weitesten verbreitet ist die Zornnatter. Die größte Schlange Südtirols ist die Äskulapnatter, die kleinste ist die Schlingnatter.

Im folgenden Artikel werden die Schlangen Südtirols kurz beschrieben.

Beginnen wir zunächst mit den ungiftigen Nattern: Die Nattern (Colubridae) sind die artenreichste Familie von Schlangen.

Äskulapnatter (zamenis longissimus):

Südtiroler Schlange - Aeskulapnatter, Foto von Felix Reimann

Südtiroler Schlange - Aeskulapnatter, Foto © Felix Reimann - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Diese ist, wie bereits erwähnt die größte und kräftigste Schlange Südtirols. Äskulapnattern können bis zu 1,5 Meter lang werden. Es existieren sogar Berichte von Exemplaren, die bis zu 2 Meter messen sollen (welche mir jedoch nicht besonders glaubwürdig erscheinen). Vorwiegend bewohnt sie Waldränder, Waldlichtungen, Legesteinmauern, alte Ruinen, Weinberge und Schläge. Oft ist sie auch in der Nähe von Gewässern zu finden. Äskulapnattern können ausgezeichnet klettern. In den Bäumen jagen sie nach Vögeln. Am Boden jagen sie nach Mäusen, Echsen und Teils auch Fröschen. Äskulapnattern sind nicht sonderlich aggressiv und beißen vielfach auch dann nicht zu, wenn sie ergriffen werden.

Ringelnatter (natrix natrix):

Südtiroler Schlange - Ringelnatter

Südtiroler Schlange - Ringelnatter, Foto © Marek Szczepanek - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Ringelnattern erreichen in der Regel eine Länge von bis zu 1,2 Meter. Man findet sie hauptsächlich in der Nähe von Teichen, Wassergräben und in Sümpfen, wo sie nach Fischen und Fröschen jagen. Häufig kann man die Tiere dabei beobachten, wie sie sich an den Ufern der Gewässer sonnen oder auf Beute lauern. Bei Gefahr gleiten sie lautlos ins Wasser und verschwinden in den Wasserpflanzen. Wenn die Schlange ergriffen wird, beißt sie nicht zu, sondern entläßt aus einer speziellen Drüse in der Kloake ein sehr übelriechendes Sekret, wodurch der Feind meist von ihr abläßt. Eine Ringelnatter erkennt man leicht and den beiden halbmondartigen, gelben oder weißen Flecken am Nacken. Ringelnattern besitzen ein mildes Gift im Speichel, das für den Menschen als auch für seine Haustiere (Hunde, Katzen) ungefährlich ist.

Schlingnatter (coronella austriaca):

Südtiroler Schlange - Schlingnatter

Südtiroler Schlange - Schlingnatter, Foto © Christian Fischer - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Mit 50 cm bis max. 70 cm ist die Schlingnatter eine kleine und unauffällige Schlange, die in Gebirgswäldern, Wiesen und auf Heideland zu finden ist. Die Schlingnatter erbeutet hauptsächlich Eidechsen und manchmal auch kleinere Schlangen. Schlingnattern sind nicht aggressiv. Der Biss einer Schlingnatter ist aufgrund ihrer geringen Größe nicht sonderlich schmerzhaft.

Würfelnatter (natrix tessellata):

Südtiroler Schlange - Würfelnatter

Südtiroler Schlange - Würfelnatter, Foto © Andrei Daniel Mihalca - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Die Würfelnatter ist eine sehr gute Schwimmerin und nahezu optimal ans Wasser angepasst. Man findet sie an den Ufern von Seen und langsam fließenden Gewässern. Die Hauptnahrung dieser Natter sind Fische und Frösche. Wenn diese Schlange ergriffen wird, reagiert sie gleich wie die Ringelnatter. Würfelnattern erreichen eine Länge von ca. 60 – 90 cm.

Zornnatter (hierophis viridiflavus):

Südtiroler Schlange - Zornnatter

Südtiroler Schlange - Zornnatter, Foto © Jeroen Speybroeck - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Bekannt als die schnellste Schlange Südtirols lebt die Zornnatter hauptsächlich in trockenen Gebieten, wo sie Eidechsen, Vögeln, Mäusen und zum Teil auch anderen Schlangen nachstellt. Zornnattern erreichen eine stattliche Größe von bis zu 1,3 Metern und sind sehr scheu. Bei einer Begegnung mit den Menschen ergreifen sie rapide die Flucht. Wer die Schlange ergreifen will muß mit heftigen Abwehrbissen rechnen. Von sich aus wird die Schlange trotzdem nie zubeißen und die Flucht immer einem Kampf vorziehen.

Vipern: Viperidae sind eine relativ gut entwickelte Familie von Giftschlangen. Experimente haben gezeigt, dass diese Tiere vielfach intelligenter sind als andere Schlangen.

Aspisviper (vipera aspis):

Südtiroler Schlange - Aspisviper

Südtiroler Schlange - Aspisviper, Foto © Harold van der Ploeg - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Aspisvipern findet man in trockenen, mediterranen, felsigen Gebieten aber auch in dichter bewachsenen Gegenden. An Wiesenrändern und den Rändern von Weinbergen oder in Trockenmauern fühlen sich Aspisvipern wohl. Mit einer erreichbaren Länge von 60cm bis max. 80 cm ist die Aspisviper eine kleine bis mittelgroße Viper. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Eidechsen und Nagern. Selten erbeuten Aspisvipern auch kleine Vögel. Der Biss der Apsisviper ist schmerzhaft und hat eine Schwellung und mögliche Nekrosen zur Folge. In schlimmen Fällen kann ein Biss Nierenschäden verursachen. Für einen gesunden Menschen ist der Biss nicht tödlich und bleibt in der Regel ohne schwerwiegende Folgen. Aspisvipern sind wenig aggressiv. Bei Gefahr verkriecht sich die Schlange. Wird sie ergriffen beißt sie entweder zu, oder tut es nicht und lässt sich hochheben. Der Charakter von Vipern ist bei vielen Arten von Tier zu Tier unterschiedlich.

Hornotter (vipera ammodytes):

Südtiroler Schlange - Hornotter

Südtiroler Schlange - Hornotter, Foto © BS Thurner Hof - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Die größte unter den Giftschlangen Südtirols ist mit einer erreichbaren Gesamtlänge von 80cm bis 100 cm die Hornotter. Diese Art ist ziemlich scheu. Wenn sie während der Flucht ergriffen wird beißt sie in der Regel zu. Der Biss der Hornotter ist für einen gesunden Menschen nicht tödlich, sollte aber auch nicht unterschätzt werden. Hornottern sind sehr selten geworden und nur mehr in wenigen trockenen Gebieten Südtirols verbreitet. Die Schlange ist massiv vom Aussterben bedroht und sollte deshalb geschützt werden! Hornottern jagen Mäuse, Eidechsen und in manchen Fällen auch Vögel und Amphibien.

Kreuzotter (vipera berus):

Südtiroler Schlange - Kreuzotter

Südtiroler Schlange - Kreuzotter, Foto © Piet Spaans - http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Die Kreuzotter ist eine relativ kleine Viper, die eine maximale Länge von ca. 70 cm erreicht. Man findet Kreuzottern auf Heideland, an Gebirgshängen und an Lichtungen vieler Gebirgswälder. Kreuzottern ernähren sich von Amphibien, Eidechsen und Mäusen. Die Schlange ist relativ scheu und ergreift bei einer Begegnung mit Menschen die Flucht. Wenn sie an der Flucht gehindert wird nimmt sie eine Abwehrstellung ein und schnellt mit dem Kopf warnend nach vorne. Wird sie ergriffen versucht sie entweder sich aus dem Griff heraus zu winden oder beißt zu.


Ende des Artikels von Wolfgang Dibiasi, Tramin über Südtiroler Schlangen.
Vielen Dank für die freundliche Genehmigung.
Weitere Informationen stellt Wolfgang Dibiasi auf seiner Website – www.dibiasi.npage.de zur Verfügung.


Ich darf dann mal zusammenfassen:
Südtiroler Schlangen, falls man sie denn überhaupt mal zu Gesicht bekommt, sind größtenteils ungefährlich mit Ausnahme der Aspisviper und der Hornotter.

Eine gesunde Vorsicht ist allerdings angebracht und Kinder sollten gut beaufsichtigt und informiert werden. Dann steht einem unbeschwerten Urlaub sicherlich nichts im Weg.

Und falls man doch mal gebissen wird ?

Dazu hier noch ein lesenswerter Artikel von Martina Feichter aus dem Archiv der Pustertaler Zeitung, Bruneck.
Es handelt sich um einen Beitrag im PDF-Format, den man am Bildschirm lesen oder auch downloaden kann.

Vielleicht interessiert Dich auch der 1.Teil zu Südtiroler Schlangen :

  • Mein persönliches Erlebnis mit einer Südtiroler Schlange

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